Re­gio­na­le Bau­kul­tur si­chern und be­wah­ren

Land­kreis und Hoch­schu­le set­zen Zu­sam­men­ar­beit mit Pro­jekt zur Re­gio­na­len Iden­ti­tät fort

Dem Land­kreis Mayen-Ko­blenz ist es wich­tig, eine re­gio­na­le Iden­ti­tät zu för­dern. In ei­nem Pro­jekt, das ge­mein­sam mit der Hoch­schu­le Ko­blenz von Juni bis Ende die­ses Jah­res durch­ge­führt wird, wird die bau­kul­tu­rel­le, ar­chi­tek­to­ni­sche und struk­tu­rel­le Orts­ent­wick­lung im Land­kreis be­leuch­tet. Ein wei­te­res ge­mein­sa­mes Pro­jekt, das sich mit der So­zi­al- und Sied­lungs­struk­tur in Mayen-Ko­blenz be­fasst, geht in die End­pha­se.

Si­che­rung der re­gio­na­le Iden­ti­tät

Bei der neu­en Ko­ope­ra­ti­on wer­den die bau­kul­tu­rel­len Be­son­der­hei­ten in­ner­halb des Land­krei­ses un­ter die Lupe ge­nom­men, auf­ge­ar­bei­tet und an­hand von Bei­spie­len aus den Ort­schaf­ten il­lus­triert. „Zahl­rei­che hei­mi­sche Roh­stof­fe wie Bims, Tuff oder Schie­fer spie­geln sich in den Häu­sern wie­der und sind je­weils ty­pisch für eine be­stimm­te Re­gi­on in Mayen-Ko­blenz“, er­klärt Alois As­tor, der Lei­ter der Dorf­er­neue­rung im Kreis­haus. In ei­nem ers­ten Schritt wer­den die re­gio­na­len Be­son­der­hei­ten er­fasst. Bei zu­künf­ti­gen Bau und Sa­nie­rungs­maß­nah­men kön­nen die ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se her­an­ge­zo­gen und die für die Re­gi­on ty­pi­schen Ma­te­ria­li­en ver­wen­det wer­den. „Da­mit si­chern wir lang­fris­tig die re­gio­na­le Iden­ti­tät un­se­rer Orts­ge­mein­den“, ist sich As­tor si­cher. Re­gio­nal ty­pi­sche Bau­ma­te­ria­li­en setzt man bei der Dorf­er­neue­rung da­bei kei­nes­wegs mit „alt­ba­cken“ gleich: „Eine tol­le Mög­lich­keit ist es, die his­to­ri­schen Ma­te­ria­li­en mit mo­der­nen Kom­po­nen­ten zu kom­bi­nie­ren, da­mit die Ge­bäu­de vor al­lem auch für jun­ge Fa­mi­li­en at­trak­tiv sind“, so As­tor.

Sie ga­ben den Start­schuss für das neue ge­mein­sa­me Pro­jekt: WFG-Ge­­schäfts­­­füh­­rer Hen­ning Schrö­der, der Ers­te Kreis­bei­geord­ne­te Burk­hard Nau­roth, Pro­fes­sor Pe­ter Tho­mé von der Hoch­schu­le Ko­blenz, WFG-Pro­­ku­­ris­­tin Rita Emde so­wie Alois As­tor, der Lei­ter der Dorf­er­neue­rung im Kreis­haus. Foto: KV MYK

Das Pro­jekt steht im Kon­text des Zu­kunfts­bü­ros, das qua­li­fi­zier­te Ant­wor­ten auf Fra­gen ent­wi­ckelt, die sich aus den Kon­se­quen­zen des de­mo­gra­phi­schen Wan­dels und der zu­neh­men­den Di­gi­ta­li­sie­rung er­ge­ben. „Die re­gio­na­le Iden­ti­tät be­schäf­tigt uns nicht erst seit kur­zem. Auch die Traum­pfa­de und Traum­pfäd­chen im tou­ris­ti­schen Be­reich oder die re­gio­na­len Pro­duk­te, die über die Hof­lä­den und Di­rekt­ver­mark­ter an­ge­bo­ten wer­den, tra­gen zu ei­ner re­gio­na­len Iden­ti­tät bei. Mit der Er­fas­sung „MYK-ty­pi­­scher Haus­ge­sich­ter“ soll eine wei­te­re Grund­la­ge ge­schaf­fen wer­den. „Wir möch­ten den Men­schen zei­gen, wel­che Schät­ze wir in Mayen-Ko­blenz ha­ben und dies dazu nut­zen, wei­te­re the­men­über­grei­fen­de Iden­ti­täts­stra­te­gi­en für un­se­ren Land­kreis zu ent­wi­ckeln“, er­klärt Burk­hard Nau­roth, der Ers­te Kreis­bei­geord­ne­te des Land­krei­ses Mayen-Ko­blenz.

Nächs­te Pha­se des Pi­lot­pro­jekt zum Le­ben in den Kom­mu­nen

In ei­nem wei­te­ren ge­mein­sa­men Pro­jekt, das be­reits seit Herbst 2018 läuft, sol­len am Bei­spiel der Vor­derei­fel­ge­mein­de Nachts­heim so­wie der Stadt Ben­dorf stra­te­gi­sche Hand­lungs­an­sät­ze ge­won­nen und neue Im­pul­se für die Ent­wick­lung länd­li­cher Re­gio­nen ge­setzt wer­den. Pro­fes­sor Pe­ter Tho­mé, In­ha­ber der In­no­va­ti­ons­pro­fes­sur „Stra­te­gi­en länd­li­cher Räu­me“ stell­te in der letz­ten Sit­zung des Kreis­aus­schus­ses den ak­tu­el­len Stand vor: „Das pri­mä­re Ziel des Pro­jek­tes war und ist es, aus­zu­lo­ten, wel­che The­men für ei­nen Ort wirk­lich re­le­vant und zu­kunfts­wei­send sind.“ Dazu wur­den zu­nächst sta­tis­ti­sche Da­ten aus­ge­wer­tet, Kar­ten­ma­te­ri­al ana­ly­siert und Orts­be­ge­hun­gen durch­ge­führt. Er­geb­nis dar­aus war un­ter an­de­rem Kar­ten­ma­te­ri­al mit al­len vor­han­de­nen Leer­stän­den und Bau­lü­cken. Im An­schluss wur­den In­ter­views mit so­ge­nann­ten Schlüs­sel­per­so­nen, also Bür­ger­meis­tern, Wehr­lei­tern, An­ge­stell­ten und Un­ter­neh­mern durch­ge­führt.

Bei den In­ter­views stan­den vor al­lem die The­men Flä­chen­po­ten­zia­le, Bau­en und Sa­nie­ren, das so­zia­le Mit­ein­an­der, Nah­ver­sor­gung so­wie In­fra­struk­tur im Fo­kus. „Um den Ist-Stand zu er­mit­teln und mög­li­che Po­ten­tia­le zu ent­wi­ckeln, sind per­sön­li­che Ge­sprä­che mit Men­schen, die den Ort von Grund auf ken­nen, wich­tig“, be­tont Tho­mé. Die ge­sam­mel­ten Da­ten so­wie die Er­kennt­nis­se aus den Ge­sprä­chen bil­de­ten die Grund­la­ge für den nächs­ten Schritt – die Be­tei­li­gung der üb­ri­gen Be­völ­ke­rung. In Nachts­heim wur­de die­se durch ei­nen Bür­ger­work­shop be­reits durch­ge­führt. Hier wur­den die zu­vor ge­won­nen Er­kennt­nis­se mit den Be­woh­nern dis­ku­tiert und zu­sam­men­ge­fasst. „Ich war po­si­tiv über­rascht, wie gut die Ver­an­stal­tung von den Nachts­hei­mern an­ge­nom­men und wie leb­haft dis­ku­tiert wur­de.“, zeig­te sich Tho­mé be­geis­tert. Als letz­ter Schritt ist in Nachts­heim ein stu­den­ti­sches Pro­jekt ge­plant, bei dem ein ehe­ma­li­ges Hof­ge­bäu­de zum Bei­spiel in eine Wohn­ge­mein­schaft im Al­ter um­ge­wan­delt wer­den soll. „Es muss das Ziel sein, die vor­han­de­ne Sub­stanz bes­ser zu nut­zen, be­vor neue Bau­ge­bie­te aus­ge­wie­sen wer­den. Nur so kann es ge­lin­gen, dass Orts­ker­ne und das da­mit ver­bun­de­ne so­zia­le Le­ben lang­fris­tig ge­si­chert und le­ben­dig ge­hal­ten wer­den“, lau­te­te das Zwi­schen­fa­zit von Pro­fes­sor Tho­mé.

Marco Schmitz
Mar­co Schmitz
Mar­co lebt und ar­bei­tet als frei­er Jour­na­list in Mayen. Der Schwer­punkt sei­ner Tä­tig­keit liegt in den Be­rei­chen Kul­tur und Un­ter­hal­tung. Er schreibt für Zei­tun­gen und ist Au­tor Deutsch­lands ers­ter Stu­die über die Re­zep­ti­on von in­ter­ak­ti­ven In­hal­ten durch El­tern.

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