Das Sams be­geis­tert groß und klein

Jut­ta Schus­ter er­neut in ih­rer Pa­ra­de­rol­le

Ge­nau zehn Jah­re ist es her, als Jut­ta Schus­ter un­ter In­ten­dant Pe­ter Nüesch das Wun­der­we­sen mit den Wunsch­punk­ten im Ge­sicht ver­kör­per­te. Sie er­ober­te mit ih­rer quir­li­gen Art die Her­zen der klei­nen und gro­ßen Zu­schau­er und ist in Mayen bis heu­te das Sams. Mit „Am Sams­tag kam das Sams zu­rück“ brin­gen die Burg­fest­spie­le un­ter der Re­gie von Pe­tra Schu­ma­cher den Rot­schopf mit Rüs­sel­na­se und Trom­mel­bauch in die­ser Sai­son zu­rück auf die Büh­ne. Die Er­war­tun­gen la­gen hoch, als be­kannt wur­de, dass auch Jut­ta Schus­ter wie­der in ihre Pa­ra­de­rol­le schlüpft um Papa Ta­schen­bier in ein un­ter­halt­sa­mes Cha­os zu stür­zen.

Je­der Tag ist wie­der Sams­tag

Das Thea­ter­stück ba­siert auf dem zwei­ten Buch der Kin­der­buch­rei­he von Paul Maar und be­ginnt bei ei­nem trau­ri­gen Herrn Ta­schen­bier. Sein größ­ter Wunsch blieb un­er­füllt: Das Sams konn­te nicht bei ihm blei­ben. Da­her ver­sucht er mi­nu­ti­ös, den Ver­lauf der vor­her­ge­gan­ge­nen Wo­che zu wie­der­ho­len, da­mit das Sams wie­der zu ihm zu­rück­kommt. Mon­tag kommt Herr Mon, Diens­tag hat er Dienst und Mitt­woch ist Mit­te der Wo­che. Am Don­ners­tag da sorgt er mit ei­nem rie­si­gen Blech selbst für Don­ner, der für zwei Ge­wit­ter rei­chen wür­de und am Frei­tag macht er frei. Sei­ne Be­mü­hun­gen wer­den be­lohnt, denn nun ist in Mayen wie­der fast je­der Tag ein Sams­tag. Selbst an ei­nem Pre­mie­ren­sonn­tag wie ges­tern, denn wenn das Sams zu­rück­kommt, dann muss es ein Sams­tag sein.


Pa­trick Stauf als schil­lern­der Pa­ra­dies­vo­gel Herr Ku­les. Foto: Mar­co Schmitz
Das Zwerch­fell hat zu tun

Auch wenn vie­le El­tern die Ge­schich­te oh­ne­hin in- und aus­wen­dig ken­nen dürf­ten, so weiß die ide­en­rei­che Um­set­zung der Burg­fest­spie­le noch zu über­ra­schen. Pe­tra Schu­ma­cher in­sze­niert das knapp 40 Jah­re alte Kin­der­buch er­fri­schend mo­dern und un­ter­halt­sam mit ge­nera­ti­ons­über­grei­fen­dem Hu­mor. Mit Bra­vour meis­tern die Mi­men den Spa­gat der Un­ter­hal­tung für klein und groß. Jut­ta Schus­ter mischt frech den bie­de­ren All­tag des Herrn Ta­schen­bier auf und spielt sich in na­he­zu je­dem Mo­ment mit ei­nem lie­be­vol­len Hauch von Rotz­gö­re in die Kin­der­her­zen. Als heim­li­chen Star der Sams-For­t­­se­t­zung kann je­doch Pa­trick Stauf ge­han­delt wer­den, der Herrn Mons Pa­pa­gei Her­ku­les eine tra­gen­de Rol­le als bun­ter Pa­ra­dies­vo­gel ver­leiht. Sich selbst nennt er tref­fend „Herr Ku­les“ mit cool-lan­gem “u” und lässt da­bei kei­nen Gag oder Poin­te auf der Büh­ne lie­gen. Doch das Zu­sam­men­spiel der Ak­teu­re bleibt im Ge­sam­ten har­mo­nisch und aus­ge­wo­gen. Egal ob Ales­sa Kor­deck in der Rol­le der om­ni­prä­sen­ten Frau Rot­kohl auf­dreht oder Ma­ri­us Schnei­der die Groß­­wil­d­jä­ger-Gat­­tin bis an den Zwerch­fell­rand über­zeich­net – je­der Dar­stel­ler bril­liert ge­konnt in sei­ner Rol­le, ohne sich in den Vor­der­grund zu pro­ji­zie­ren.

Erst mal ohne (Frau) Rot­kohl ins Re­stau­rant. Foto: Mar­co Schmitz
Papa muss mit!

Ab­ge­run­det wird das Stück durch be­mer­kens­wer­te Leis­tun­gen der Ak­teu­re hin­ter den Ku­lis­sen. Die Sze­ne­rie prä­sen­tiert sich hier als ge­lun­ge­ner Wurf des neu­en Büh­nen­bild­ners Ste­ven Koop. Das Sams fühlt sich auf der gro­ßen Büh­ne zu­hau­se, ohne ei­nen Kom­pro­miss im Tei­len der Sze­ne­rie mit an­de­ren Stü­cken im Burg­hof er­ken­nen zu las­sen. Hin­zu kom­men die lie­be­voll ge­stal­te­ten Kos­tü­me aus Ga­brie­le Kort­manns Na­del und Fa­den und die ge­lun­ge­ne Klang­ku­lis­se von Mat­thi­as Manz. Das dies­jäh­ri­ge Kin­der­stück ist kurz, kna­ckig und sticht aus den vie­len gu­ten Kin­der­stü­cken der Burg­fest­spie­le her­vor. Ein kom­pro­miss­los zu emp­feh­len­des Thea­ter­stück für die gan­ze Fa­mi­lie. Die Fra­ge, wer sich „Am Sams­tag kam das Sams zu­rück“ an­se­hen soll­te, ist da­her schnell be­ant­wor­tet: Je­der der Kin­der hat oder mit ei­nem Teil sei­nes Her­zens Kind ge­blie­ben ist. Un­ter­haltSam(s) für die gan­ze Fa­mi­lie.

 

 

Marco Schmitz
Mar­co Schmitz
Mar­co lebt und ar­bei­tet als frei­er Jour­na­list in Mayen. Der Schwer­punkt sei­ner Tä­tig­keit liegt in den Be­rei­chen Kul­tur und Un­ter­hal­tung. Er schreibt für Zei­tun­gen und ist Au­tor Deutsch­lands ers­ter Stu­die über die Re­zep­ti­on von in­ter­ak­ti­ven In­hal­ten durch El­tern.

2 KOMMENTARE

  1. Sehr gut ge­schrie­ben. Eine gute Team­leis­tung un­ter Lei­tung der Re­gis­seu­rin Pe­tra Schu­ma­cher so­wie dem In­ten­dant Da­ni­el Ris

  2. Ein her­vor­ra­gen­des Thea­ter­stück bei dem ei­nem das Herz auf­geht, stau­nen und la­chen sich ab­wech­seln und die Zeit wie im Flu­ge ver­geht. Dar­stel­ler die ei­nen durch ihre erst­klas­si­ge Leis­tung, mit ih­ren phan­tas­ti­schen Kos­tü­men und lie­bens­wer­ter Mas­ke ver­zau­bern. Ein gro­ßes Kom­pli­ment an die Dar­stel­ler, alle hin­ter der Büh­ne Be­tei­lig­ten und na­tür­lich an Frau Schu­ma­cher. Egal ob Kind oder Er­wach­se­ner, das Sams soll­te man sich ein­fach gön­nen.

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