Nur Ophe­lia – ein zeit­lo­ser Klas­si­ker

Der Ju­gend­klub macht Ham­let (be)greifbar

Die Burg­fest­spie­le Mayen ge­hen im Fest­spiel­som­mer 2019 ne­ben Be­währ­tem ei­nen neu­en und in­ter­es­san­ten Weg. Wur­de in den letz­ten Jah­ren Thea­ter für Ju­gend­li­che ge­bo­ten, so prä­sen­tiert man jetzt Thea­ter von Ju­gend­li­chen auf der Büh­ne im Al­ten Ar­rest­haus Mayen. 15 Ju­gend­li­che zei­gen ihre Be­geis­te­rung für Thea­ter und ken­nen da­bei kein Lam­pen­fie­ber. Die The­a­­ter-AG des Me­gi­­na-Gym­­na­­si­ums in Mayen hat die Freu­de am Schau­spiel mit­ge­prägt. Hier wird nun­mehr in der vier­ten De­ka­de sehr er­folg­reich Thea­ter von Ju­gend­li­chen für Ju­gend­li­che dar­ge­bo­ten.

Shake­speare: zeit­los mo­dern

In zahl­rei­chen Work­shops wur­de be­reits im Au­gust mit der Pla­nung des Büh­nen­auf­tritts 2019 be­gon­nen. Hier ent­stand auch die Idee, sich für ei­nen Klas­si­ker der Li­te­ra­tur zu ent­schei­den. Un­ter der An­lei­tung von Anna Fran­zis­ka Schlieth wur­de die Ar­beit an ei­nem nicht ganz ein­fa­chen Stück auf­ge­nom­men. Den Grund­stein der Auf­füh­rung leg­te die Ge­schich­te der Ophe­lia aus Shake­speares Ham­let. Es geht da­bei um ei­ni­ge we­sent­li­che As­pek­te im Le­ben her­an­wach­sen­der Men­schen: Schön­heit, ers­te Lie­be, Ver­liebt­sein, ent­täusch­te Lie­be, De­mü­ti­gung und Ver­zweif­lung bis hin zu Tod durch Sui­zid.

Heu­te geht der Traum­mann in so­zia­le Net­ze. Foto: Mar­co Schmitz

Die 15 Ju­gend­li­chen prä­sen­tie­ren sehr schön die Ge­schich­te von Ophe­lia in der mo­der­nen Zeit. Über so­zia­le Netz­wer­ke lernt Ophe­lia ih­ren schein­ba­ren Traum­mann ken­nen. Sie ist in ihn un­sterb­lich ver­liebt. Das klas­si­sche Ele­ment bleibt in die­ser Hand­lung er­hal­ten: Ge­füh­le und Tref­fen wer­den nicht nur über Han­dys aus­ge­tauscht. Der Aus­er­ko­re­ne schreibt Ophe­lia ei­nen Lie­bes­brief, was in der heu­ti­gen Zeit eher sel­te­ner der Fall sein wird. Im wei­te­ren Ver­lauf fol­gen Tref­fen und mehr. Wie so oft im rich­ti­gen Le­ben wird die gro­ße Lie­be aus un­ter­schied­li­chen Grün­den ent­täuscht und geht zu Bruch. Für die in­zwi­schen schwan­ge­re Ophe­lia bricht eine Welt zu­sam­men. Ihr Le­ben ver­liert zu­neh­mend an Sinn, was auch Ein­fluss auf ihre Selbst­wahr­neh­mung hat. Sie fin­det sich nun häss­lich und un­at­trak­tiv.

Ge­lun­ge­nes De­büt mit Ge­füh­len

Die 15 Ju­gend­li­chen agie­ren ge­konnt mit dem Pu­bli­kum und adres­sie­ren Stim­mung und Ge­fühl da­bei ge­konnt. Was be­deu­tet Schön­heit? Was be­deu­tet Lie­be? Geht es bei der Lie­be nur um äu­ße­re oder auch mehr um in­ne­re Wer­te? Wor­in liegt der Sinn des Le­bens jun­ger Er­wach­se­ner? Fra­gen, die nicht nur das ju­gend­li­che Le­ben be­schäf­ti­gen, son­dern in al­len an­de­ren Al­ters­schich­ten auf­tau­chen. In ver­schie­de­nen Sze­nen wer­den die­se As­pek­te sehr schön dar­ge­stellt. Der Thea­ter­be­su­cher wird un­ter­be­wusst zum Nach­den­ken an­ge­regt und fin­det sich in ei­ni­gen Punk­ten wie­der oder an die ei­ge­ne Ju­gend er­in­nert.

Was be­deu­ten Lie­be und Schön­heit? Foto: Mar­co Schmitz

Ins­ge­samt ist die In­sze­nie­rung des Ju­gend­klubs „Nur Ophe­lia“ sehr ge­lun­gen. Selbst bei den Burg­fest­spie­len darf man nicht aus den Au­gen ver­lie­ren, dass es sich um Lai­en­dar­stel­ler han­delt. Sie agie­ren si­cher und selbst­be­wusst. Trotz be­mer­kens­wer­tem Ta­lent las­sen Mi­mik und Ges­tik der jun­gen Schau­spie­ler noch Raum für Ver­bes­se­rung. Doch hält man sich die The­ma­tik des Stü­ckes vor Au­gen, so ist das De­büt des Ju­gend­klubs zwar kein leich­tes, aber ein ge­lun­ge­ner Start. Aus Schlieths be­geis­tern­der Idee wur­de ein voll­wer­ti­ger Pro­gramm­punkt un­se­rer Fest­spie­le, der mit Fug und Recht in ei­nem aus­ver­kauf­ten Ar­rest­haus spielt.

Thomas Schlosser
Tho­mas Schlos­ser
Tho­mas ist un­ser Quer­ein­stei­ger aus dem Mit­tel­feld. Sein Herz schägt für den Fuß­ball, be­son­ders wenn die Elf von Mayen oder Glad­bach auf dem Platz steht. Aus dem Ab­seits bringt auf mayenerleben.de den ein oder an­der­ne Ball selbst ins Spiel.

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