Kom­plex. Dif­fus. Ge­ni­al!

Da­ni­el Ris und Chris­ti­an Banz­haf be­geis­tern mit „Ei­ner von uns“

Eine lee­re Büh­ne. Zwei Schau­spie­ler, Da­ni­el Ris und Chris­ti­an Banz­haf. Die bei­den spie­len zwei Schau­spie­ler, die ge­ra­de ein Stück pro­ben. Es ist die Ge­schich­te von Ray, die mit der Dia­gno­se ei­ner le­bens­be­droh­li­chen Krank­heit be­ginnt. Ray nimmt die­se Nach­richt nicht gut auf. Sei­ne Angst re­flek­tiert er in Er­nied­ri­gun­gen der Emp­fangs­da­me des Arz­tes. “Sie kann sich nicht ein­mal an mei­nen Na­men er­in­nern”, jam­mert Ray, “Ent­we­der ist sie zu dumm oder sie ist bös­wil­lig und ich den­ke nicht, dass sie schlau ge­nug für Bös­wil­lig­keit ist!” Die Schau­spie­ler wech­seln die Rol­len.

Es gibt wei­te­re Sze­nen, bei der sich ein Paar trennt und das Kind in der Mit­te ge­trof­fen wird. Ei­nen wei­te­ren Fa­den über ei­nen Au­to­un­fall, und noch ei­ner über die Selbst­mord­im­pul­se ei­nes Man­nes mitt­le­ren Al­ters, der ge­ra­de da­bei ist, sei­ne An­ge­le­gen­hei­ten zu re­geln. Doch sind die ein­zel­nen Ge­schich­ten mit­ein­an­der ver­floch­ten? Auch wenn es ge­nü­gend An­halts­punk­te da­für gibt, so gibt es eben­so vie­le Zwei­deu­tig­kei­ten, die da­ge­gen spre­chen. Man mag zu dem Schluss kom­men, dass es ei­gent­lich egal ist. Doch die Prot­ago­nis­ten set­zen sich bis­sig mit Cha­rak­ter­mo­ti­va­ti­on und Wahl­mög­lich­kei­ten aus­ein­an­der. Jede Sze­ne durch­läuft die­sen Pro­zess, so­dass der Spiel­fluss bis zu ei­nem fal­schen Hö­he­punkt frag­men­tiert bleibt.


Lie­be, Ver­lust und exis­ten­zi­el­le Sehn­sucht

Ris und Banz­haf wech­seln in „Ei­ner von uns“ ra­sant die Rol­len und for­dern das Pu­bli­kum mit­zu­hal­ten. In je­der Sze­ne be­leuch­ten die bei­den prä­gnant und mit Witz ei­nen neu­en As­pekt. Ge­schickt grei­fen die bei­den läs­ti­ge oder schein­bar un­sin­ni­ge As­pek­te des Le­bens auf, ohne eine Aus­sa­ge über die mensch­li­che Ver­fas­sung zu ma­chen. Im­mer wie­der springt ein Mo­ment herz­zer­rei­ßen­der Schär­fe von der nack­ten Büh­ne und haut den Be­trach­ter di­rekt zwi­schen die Au­gen. Wie das Le­ben, bleibt auch das Stück of­fen für In­ter­pre­ta­ti­on, mit der sich je­der Zu­schau­er sei­ne ei­ge­ne Ver­si­on der Ge­schich­te kom­po­niert.

Schau­spie­ler, die Schau­spie­ler bei der Pro­be spie­len. Foto: Mar­co Schmitz

Im Kern geht es im Fes­t­­spiel-Ex­­tra um exis­ten­zi­el­le Sehn­sucht. Eine Ge­schich­te über Lie­be und Ver­lust. Mit be­schwing­ter Leich­tig­keit sor­gen Ris und Banz­haf ge­konnt für kurz­wei­li­ge Un­ter­hal­tung. Das schwin­del­erre­gen­de Puz­zle­spiel der bei­den bleibt trotz­dem an­spruchs­vol­les Thea­ter auf ho­hem Ni­veau. Schwe­re Kost, ser­viert in leicht ver­dau­li­chen, fei­nen Häpp­chen.

Ei­ner von uns“ ist ein Tipp für Freun­de des Kam­mer­spiels mit in­tel­lek­tu­el­lem An­spruch. Drei wei­te­re Vor­stel­lun­gen sind auf der klei­nen Büh­ne im Al­ten Ar­rest­haus noch ge­plant. Heu­te Abend, den 13. Juli, so­wie am 9. und 10. Au­gust 2019.

Marco Schmitz
Mar­co Schmitz
Mar­co lebt und ar­bei­tet als frei­er Jour­na­list in Mayen. Der Schwer­punkt sei­ner Tä­tig­keit liegt in den Be­rei­chen Kul­tur und Un­ter­hal­tung. Er schreibt für Zei­tun­gen und ist Au­tor Deutsch­lands ers­ter Stu­die über die Re­zep­ti­on von in­ter­ak­ti­ven In­hal­ten durch El­tern.

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