In Mayen trifft sich die Opel-Fa­­mi­­lie

Fahr­zeug-Spaß statt Mar­ken­hass auf dem Vieh­markt

Tie­fer! Brei­ter! Här­ter! Wenn sich be­geis­ter­te Schrau­ber stolz mit ih­ren Au­tos tref­fen, muss es laut sein, die Luft ein star­kes Bou­quet von Ben­zin und ver­brann­tem Gum­mi ha­ben und sich halb nack­te Mo­dels für Fo­tos auf Mo­tor­hau­ben rä­keln. Hand aufs Herz: So, oder so ähn­lich sind die Kli­schees, die ei­nem beim Opel-Tre­f­­fen in den Sinn kom­men könn­ten. Doch wie­der ein­mal zeig­ten Ver­an­stal­ter und Teil­neh­mer jüngst auf dem Maye­ner Vieh­markt, dass es an­ders geht und viel bes­ser ist.

Von Bling-Bling bis Ab­wrack­mo­del

In der fünf­ten Auf­la­ge prä­sen­tier­te sich das Opel-Tre­f­­fen für Be­su­cher er­neut in­ter­es­sant. Auch wenn es in die­sem Jahr we­nig Old­ti­mer zu se­hen gab, so zeig­ten die Bast­ler und Tüft­ler in brei­tem Spek­trum, wie viel­fäl­tig selbst All­tags­au­tos ver­schö­nert und zum Uni­kat wer­den kön­nen. Von 3D-Num­­mern­­schil­­dern aus dem Zu­be­hör, bis zum auf­wen­dig und edel ver­chrom­ten Mo­tor­raum, den man mit Be­geis­te­rung nur be­stau­nen kann. Im Kon­trast dazu Fahr­zeu­ge der Ka­te­go­rie „Rat­te“, ei­ner Mi­schung aus Ab­wrack­mo­del und fahr­ba­rem End­zeit­ve­hi­kel. „Mut zur Häss­lich­keit“ könn­te die­ser Trend wohl tref­fen­der ge­nannt wer­den, wenn schö­ne Fahr­zeu­ge in eine De­ko­ra­ti­on für Kri­sen­ge­bie­te ver­wan­delt wer­den. Über Sinn und Schön­heit die­se Kunst kann hier si­cher­lich kon­trär dis­ku­tiert wer­den. Doch die un­ge­wöhn­li­che Äs­the­tik der Um­bau­ten steht au­ßer Fra­ge.


5. Opel-Treffen 2019 in Mayen
50 Jah­re und kein Fleck­chen Rost: Ar­nos Ka­dett “Kiem­chen” von 1969. Foto: Mar­co Schmitz

Ob ge­stylt, ver­ramscht oder lie­be­voll re­stau­riert: Je­der Bast­ler und Tüft­ler mit Herz­blut weiß in­ter­es­san­te Ge­schich­ten über sein Auto zu er­zäh­len. So wie Arno, der mit sei­nem „Kiem­chen“ aus Bell zum Opel-Tre­f­­fen kam. Der 69’er Opel Ka­dett war und ist sein per­sön­li­cher Traum. Viel ge­schwitzt habe er, bis das Auto auf­wen­dig re­stau­riert war. Viel ge­grü­belt und ei­ni­ge Male auch ge­flucht. Da­für ist der alte Spross aus dem Bo­chu­mer Werk heu­te vom Blitz im Grill bis zur An­ten­ne auf dem Kof­fer­raum­de­ckel in his­to­ri­schem Ori­gi­nal­zu­stand. „Mehr­mals muss­te ich mit dem TÜV für den Er­halt des H‑Kennzeichens dis­ku­tie­ren, weil man ein­zel­ne Tei­le auf­grund des gu­ten Er­hal­tungs­zu­stan­des für neu­es Zu­be­hör hielt,“ er­zählt der Ofen­bau­er im Ru­he­stand vol­ler Stolz. „Doch ein­mal hat der Prü­fer das gan­ze Team an der He­be­büh­ne ver­sam­melt, weil er vom rost­frei­en Zu­stand des in­zwi­schen 60 Jah­re al­ten Au­tos so an­ge­tan war.“ Zwei Jah­re hat­te Arno an dem Auto re­stau­riert, nach­dem er im Som­mer 1996 den da­mals aus­ran­gier­ten Wa­gen in ei­ner Ga­ra­ge ent­deck­te.

Se­hen und ge­se­hen wer­den

So viel­fäl­tig die Ide­en in der Sze­ne sind, hin­ter al­ler Lei­den­schaft steckt der glei­che An­trieb. Es geht um In­di­vi­dua­li­tät. Man will sich von den uni­for­men Se­ri­en­mo­del­len ab­he­ben und freut sich ne­ben­bei na­tür­lich auch mehr oder we­ni­ger über Lob und An­er­ken­nung. Da­her gab es auch in die­sem Jahr beim Opel-Tre­f­­fen wie­der eine Preis­ver­ga­be in den Ka­te­go­ri­en „Show & Shi­ne“, „All­tags­fahr­zeu­ge“, „Fa­mi­li­en­fahr­zeu­ge“, „Old­ti­mer“ und „Rat­te“. Und wie im­mer, wenn es um Prei­se geht, sorg­ten die Be­wer­tun­gen auch auf dem Vieh­markt­platz für Freu­de und Miss­mut un­ter den Teil­neh­mern. Die Sie­ger sa­hen ihr Auto rich­tig be­wer­tet, wäh­rend an­de­re über die Ju­ro­ren oder den Kri­te­ri­en­ka­ta­log nör­gel­ten.

5. Opel-Treffen 2019 in Mayen
Auf­wen­di­ges De­sign, wo sel­ten ei­ner hin­sieht. Foto: Mar­co Schmitz

Doch in ei­nem sind sich alle Teil­neh­mer ei­nig: Beim Opel-Tre­f­­fen in Mayen ist die Preis­ver­ga­be nicht mehr, als eine net­te Ne­ben­sa­che. „Na­tür­lich freut man sich über eine gute Plat­zie­rung,“ er­klärt uns ein jun­ges Schrau­ber-Paar aus Ho­cken­heim. „Aber nach Mayen kom­men wir ei­gent­lich we­gen der fa­mi­liä­ren Stim­mung.“ Wäh­rend bei an­de­ren Tref­fen die Fahr­zeu­ge und de­tail­lier­te Akri­bie das Haupt­the­ma sei­en, ste­he beim Opel-Tre­f­­fen in Mayen die Ge­sel­lig­keit im Vor­der­grund. „Wir sind ein Tref­fen für die gan­ze Fa­mi­lie,“ be­tont Ver­an­stal­ter Rolf Neiß. „Das fängt bei güns­ti­gen Prei­sen für Teil­nah­me und Im­biss an. Zu­dem sor­gen wir auf dem Ver­an­stal­tungs­ge­län­de für eine fa­mi­li­en­freund­li­che At­mo­sphä­re, bei der Kin­der auch un­be­sorgt spie­len und to­ben kön­nen.“ Das Kon­zept scheint auf­zu­ge­hen, denn auf dem Vieh­markt wird na­he­zu je­der Opel durch ein Zelt oder Wohn­wa­gen er­gänzt. „Wir sind kei­ne Mar­ken­has­ser,“ lä­chelt Rolf Neiß mit Blick auf die Wohn­mo­bi­le und Be­gleit­fahr­zeu­ge an­de­rer Her­stel­ler. „Zu­sam­men mit ei­nem Opel sind auch Fremd­fa­bri­ka­te auf dem Ge­län­de will­kom­men.“

Klei­ner Event mit gro­ßer Fan­ge­mein­de

Im fünf­ten Jahr be­fin­det sich das Maye­ner Opel-Tre­f­­fen mit sei­nem Kon­zept er­kenn­bar auf Er­folgs­kurs. Der Vieh­markt­platz war gut ge­füllt mit über­re­gio­na­len Teil­neh­mern. Schrau­ber-Klubs aus Würt­tem­berg, Sach­sen und Thü­rin­gen be­leg­ten gleich gan­ze Are­al des Event­ge­län­des und rot­te­ten sich un­ter gro­ße Pa­vil­lons zu­sam­men. „In der Sze­ne ha­ben wir uns ei­nen gu­ten Na­men ge­macht,“ er­klär­te Rolf Neiß mit Ver­weis auf zahl­rei­che Kenn­zei­chen aus Bel­gi­en, Nie­der­lan­de und Frank­reich. Über­schat­tet wur­de das Opel-Tre­f­­fen in die­sem Jahr lei­der von un­be­stän­di­gem Wet­ter. Wie­der­keh­ren­der Re­gen be­scher­te den Teil­neh­mern in die­sem Jahr deut­lich we­ni­ger Be­su­cher.

 

Marco Schmitz
Mar­co Schmitz
Mar­co lebt und ar­bei­tet als frei­er Jour­na­list in Mayen. Der Schwer­punkt sei­ner Tä­tig­keit liegt in den Be­rei­chen Kul­tur und Un­ter­hal­tung. Er schreibt für Zei­tun­gen und ist Au­tor Deutsch­lands ers­ter Stu­die über die Re­zep­ti­on von in­ter­ak­ti­ven In­hal­ten durch El­tern.

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